LAMBDA-Nachrichten Nr. 102

DVDs

LN-Discothek

Peace and love

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Diam - Daby Touré

Diam – „Friede“ auf Deutsch – ist der Titel des ersten Albums von Daby Touré, Sprössling aus dem berühmten westafrikanischen Musikerklan. Es handelt sich dabei um Flower-Power revisited: Die Stimme des in Mauretanien lebenden Sängers verströmt Timbre und Schmelz wie süßen Honig und macht gemeinsam mit den sanften Gitarren- und Schlagzeugharmonien seine Balladen zu mehr als nur sonnendurchfluteten afrikanischen Rhythmen. Das ist Weltmusik im wahrsten Sinn des Wortes. „Universell“ auf mauretanisch!

 

Made in Switzerland

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Taxi Europa – Stephan Eichers

Taxi Europa heißt Stephan Eichers neue CD und DVD mit den besten Ausschnitten seiner Europatournee. Die nicht im Studio, sondern bei einem Konzert aufgenommene CD liefert Rock & Folk made in Switzerland. Der diabolische Barde aus der Eidgenossenschaft singt auf Französisch – allerdings mit fürchterlichem Akzent –, Englisch und Schwyzerdütsch. Das Ganze klingt wohl außerhalb der helvetischen Grenzen ziemlich exotisch. Lieder wie Hemmige oder Eisbär mögen vor allem aber noch mehr gefälligen Charme versprühen, wenn man die Texte nicht versteht. Stephan Eichers beste Texte sind zweifellos die französischen, wie etwa jene von Chansons wie Déjeuner en paix, Elle vient me voir oder Pas d’ami comme toi.

Charme und Gift

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Before The Poison – Marianne Faithfull

Mit ihrer Perlenkette und ihrem Großmutterchic erscheint Marianne Faithfull eleganter denn je auf dem Cover ihrer neuen CD Before The Poison. Das wunderschöne Porträtfoto stammt im übrigen von Jean Baptiste Mondino. Nachdem sie auf dem letzten Album Étienne Dahos einen SM-Song gesungen hatte, meldet sich die Sängerin, deren Urgroßonkel Leopold von Sacher-Masoch war, mit einem superben Album voller Inspiration zurück. Before The Poison handelt von Sex und Liebe – kurz: vom Leben. Wiewohl ihre Stimme leicht ramponiert, rau und heiser klingt, wirkt Faithfull viel ruhiger, äußerst melancholisch und einigermaßen minimalistisch. Die Sängerin frönt der mit Zigarettenrauchringen versetzten Schwermut. Auf ihrem Weg zurück ins Musikgeschäft – während ihrer sehr langen künstlerischen Schaffenspause ist man ihr nur zu Beginn der Nuller Jahre in Patrice Chéreaus herausragendem Film Intimacy über den musikalischen Weg gelaufen – hat Marianne Faithfull auf P. J. Harvey, Nick Cave und Damon Albarn von Blur zurückgegriffen – komplex, elektrisierend und lyrisch.

Swinging London und Rock à la Sister Morphine entwachsen, ist Marianne Faithfull heute nicht mehr so brandgefährlich wie früher. Sie hat ihre Prüfungen als Lady-Anwärterin bestanden. Zur Feier ihrer 40-jährigen Bühnenkarriere lädt die Sängerin ihr Publikum wieder ins Konzert. Und Faithfull, die im Dezember ihren 58. Geburtstag begehen wird, ist auch auf die Bühne zurückgekehrt, um wieder in Robert Wilsons musikalischer Komödie The Black Rider zu singen.

Jean-François Cerf

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