LAMBDA-Nachrichten Nr. 102

Aus dem HOSI-Archiv

Vor 20 Jahren

Der Kampf um die Anerkennung der wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgten Opfer des Nationalsozialismus sowie die entsprechende Erinnerungsarbeit sind von Anfang an wichtige Arbeitsbereiche der HOSI Wien gewesen. Im Dezember 1984 wurde in einer bewegenden Feier an der Mauer des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen gemeinsam von den damals bestehenden Homosexuellen-Initiativen Österreichs der weltweit erste Gedenkstein für verfolgte Schwule und Lesben enthüllt.

Vor 10 Jahren

Am 16. November 1994 führte die HOSI Wien ihre zweite Aktion Standesamt durch, die genauso spektakulär werden sollte wie die erste, die fünf Jahre zuvor im Rahmen der Warmen Woche in der Wiener Innenstadt stattgefunden hatte (vgl. LN special # 2/02, S. IX). Diesmal hatten Helga und Kurt die Trauungsräume im Wiener Rathaus für eine ganz normale Hochzeit gebucht. Als es dann soweit war, teilten sie dem Standesbeamten mit, dass sie beide eigentlich ihre jeweilige Partnerin bzw. ihren jeweiligen Partner heiraten wollten. Diese Trauungen konnte der Beamte natürlich nicht durchführen, womit die beiden Paare indes gerechnet hatten. Schauspielerin Mercedes Echerer, die spätere grüne Abgeordnete zum Europa-Parlament, sprang ein und traute die Paare nach der norwegischen Eintragungsformel. Live-Klaviermusik, eine Ansprache, Blumenschmuck und TV-Kameras rundeten die erhebende Feier samt Ringe-Tausch ab. Sie war auch ein massenmedialer Hype im In- und Ausland: Von Spanien bis Lettland erschienen in den Zeitungen Fotos von der Aktion.

Die Hochzeitspaare mit Brautsträußen
November 1994: Beate Soltész, Helga Widtmann, Peter Scheucher († 1996), Kurt Krickler und Mercedes Echerer bei der Aktion Standesamt im Wiener Rathaus.

Am 9. Dezember 1984 wurde der Gedenkstein in Mauthausen enthüllt.