LAMBDA-Nachrichten Nr. 102

Aufgekocht

Stärkende Safran-Mandel-Suppe

Alle Jahre wieder findet in unserem Tuntenhotel an der Costa Blanca (www.villadelossuenos.com) die jährliche schwule Sonnen-Wanderwoche statt. In diesem Jahr geht es ab dem 6. November zur Sache, und es werden sich wanderfreudige Burschen aus vielen Teilen Europas einfinden, um die wunderschöne Bergwelt hier an der Küste wandernderweise zu bestaunen.

Ich kann mich noch sehr gut an unsere erste Wanderwoche vor drei Jahren erinnern: Es hatte sich ein bunter Haufen netter Tunten eingefunden, und alles in allem passten diese Exemplare der männlichen Gattung auch ganz gut zusammen, sodass schon nach wenigen Stunden so etwas wie eine „Gruppe“ entstanden war. Einer der Burschen war Hans (von allen jedoch nur Johanna genannt) aus der Steiermark.

Hans hatte ein recht ausgeprägtes Modebewusstsein, und so erschien er bereits zum Frühstück mit einem perfekt aufeinander abgestimmten Designeroutfit aus Mailand (ich muss noch kurz erwähnen, dass die Gute etwa 35 Kilo Übergepäck mit angeschleppt hat, welches zur Hälfte aus edelstem Schuhwerk bestand) und wechselte die Kleidung etwa 15-mal am Tag, ohne dass wir auch nur ein Kleidungsstück zweimal zu Gesicht bekamen.

So weit, so gut. In jedem Fall erschien an einem sonnigen Samstagvormittag unser amerikanischer Wanderführer Craig (ein nettes Kerlchen im Übrigen), um die Jungs zur ersten Wanderung in die Berge abzuholen. Alle unsere sonnenhungrigen Wanderfreunde hatten sich bereits voller Vorfreude in unserem Kaminzimmer eingefunden – außer Johanna!

Diese hatte ihren Auftritt etwa 20 Minuten später: Sie schwebte herein in einem wallenden kunterbunten Fummel von Moschino, welcher ergänzt wurde durch ein paar paillettenbesetzte Flip-Flops von Chanel (fragt mich bloß nicht, wo sie die Dinger aufgetrieben hat). Staunend und schweigend betrachteten alle rustikal gekleideten Anwesenden diese Erscheinung, bis Franz, ein stämmiger behaarter Leder-Gastwirt aus München, in schallendes Gelächter ausbrach und unter Tränen fragte, ob Johanna allen Ernstes in dieser Aufmachung in den Bergen herumkraxeln wolle. Diese drehte sich auf dem Absatz um und verschwand beleidigt in ihrem Zimmer – erst 45 Minuten und 25 Entschuldigungen von Franz an der geschlossenen Zimmertüre später kam Johanna wieder heraus, und es konnte losgehen – mit dem bunten Paradiesvogel im Schlepptau.

Die Wanderung wurde ein voller Erfolg, und nicht zuletzt durch Johannas mitgeführten Champagner inklusive Champagnerflöten hatten die Jungs einen Riesenspaß in den Bergen. Die für alle größte Überraschung waren jedoch Amors Pfeile, die in der Bergluft zwei Turteltäubchen trafen, womit vorher niemand gerechnet hatte: Johanna und Franz sind seit diesem denkwürdigen Tag ein glückliches Paar und haben sich noch des öfteren bei uns eingefunden, um an den Ort ihrer ersten Begegnung zurückzukehren. – Wo die Liebe halt so hinfällt!

Übrigens: Für unsere Sonnen-Wanderwoche im November gibt es eventuell noch ein paar Restplätze; die nächste Woche findet bereits im Februar statt (www.gaywandern.de).

DAS REZEPT:
- 200 g geschälte, ungesalzene Mandeln
- 8 Scheiben Weißbrot (vom) Vortag
- 6 EL Olivenöl
- 4 Knoblauchzehen
- 1 Bund Petersilie
- Salz, schwarzer Pfeffer
- 1 Prise Kreuzkümmel
- 1 Döschen (0,2 g) Safran
- 750 ml Fleischbrühe

Zuerst muss das Brot in Würfel geschnitten und in 3 EL Olivenöl goldbraun geröstet werden, danach werden der Knoblauch und die Mandeln in 3 EL Öl angebraten. Nun zupfst du mit flinken Fingern die Blättchen von der Petersilie ab, gibst die Hälfte davon zum Knoblauch und dünstest alles etwa 3 Minuten.
Den Inhalt der Pfanne musst du nun pürieren, mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Safran würzen und mit der Brühe auffüllen.
Bei schwacher Hitze lässt du die Suppe 20 Minuten köcheln und genießt dabei den mediterranen Duft, der deine Küche erfüllen sollte (ist dies nicht der Fall, dann hast du wohl irgendetwas falsch gemacht).
Wirf die Hälfte der Brotwürfel in die Suppe und warte, bis diese sich vollgesaugt haben, bevor du zur Vollendung schreitest und die restlichen Würfel mit der Petersilie zur Dekoration auf die fertige Suppe gibst.

Weitere Geschichten und Rezepte unter:
www.uwekocht.com.

Portraitfoto
Uwe Krauser