LAMBDA-Nachrichten Nr. 101

DVDs

LN-Videothek

zusammengestellt von der Buchhandlung L÷wenherz

Beefcake

buchcover
Beefcake. Dokudrama. CDN/F/GB 1999, 93 Min., Regie: Thom Fitzgerald

Die Schwulen in den Zeiten vor der sexuellen Revolution hatten kein Honcho, kein Blue, kein Männer aktuell. Homosexualität war grundsätzlich illegal. Und die Abbildung eines nackten Mannes galt außerhalb eines akademischen oder sportlichen Rahmens als obszön und konnte rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Nur wer sich den Mief in den USA der 50er und 60er Jahre vergegenwärtigt, kann heute verstehen, wie es zur Entwicklung der heimlichen Blüte von so genannten Beefcake-Magazinen kommen konnte.

Was heute den Beigeschmack von Homokitsch angenommen hat und komplett camp wirkt, war damals der mutige Ausdruck einer heimlichen schwulen Szene: Schwule Fotografen – darunter der in Beefcake vorkommende Bob Mizer – holten sich gut gebaute junge Muskelmänner aus dem nächsten Schwimmbad oder der nächsten Turnhalle oder Soldaten auf der Durchreise vom nächsten Busbahnhof und setzten deren schönen Körper in ihren Studios gut eingeölt in Szene. Die so entstandenen Fotos wurden an Magazine wie Physique Pictorial verkauft, die v. a. als Pin-up-Reservoirs unter Schwulen kursierten, aber nach außen den Anschein von Sportbegeisterung aufrechterhalten konnten.

Die Spielhandlung des Films basiert auf dem Wirken Bob Mizers und dem später gegen ihn angestrengten Prozess, der seiner Karriere als Beefcake-Fotograf einen schweren Rückschlag bereitete. Wir erleben, wie der junge sportliche Neil O’Hara – gerade aus dem provinziellen Kanada nach Hollywood gekommen – durch Zufall in den Dunstkreis von Bob Mizer gerät. Neil träumt davon, Filmstar zu werden. Da scheint es sich gut zu treffen, dass Bob Mizer mit der Athletic Model Guild eine Casting-Agentur betreibt, die muskulöse Burschen vermittelt. Neil freundet sich mit anderen Models an und begreift allmählich, was dort wirklich abläuft…

In die Spielhandlung, die im Flair von Technicolor gehalten ist, werden immer wieder restaurierte Originalaufnahmen aus Mizers Archiv eingeschoben, die dem Film den Charakter eines gelungenen Dokudramas verleihen. Besonderes Zuckerl der DVD ist ein Interview mit Joe Dallesandro, der vor seiner späteren Karriere in Warhol-Filmen als Nacktmodell bei Bob Mizer begann. In Hinblick auf eine Zeit, die aus unserem heutigen schwulen Blickwinkel ziemlich trostlos erscheint, wirkt die Beefcake-Szenerie fast wie ein Kuriosum aus dem schwulen Underground, aus einer Zeit, in der schwules Leben in gänzlich anderen Bahnen verlief als heutzutage.

Yossi & Jagger

buchcover
Yossi & Jagger. Israel 2002, 65 Min., Regie: Eytan Fox

Eine Schmonzette aus der israelischen Armee: Zwei Soldaten, über beide Ohren ineinander verliebt, scheinen den Krieg hinter sich zu lassen, wenn sie sich im verschneiten Kampfgebiet lieben. Seine Spannung bezieht der Film aus der Gegensätzlichkeit der beiden Männer. Während Yossi ein pflichtbewusster und stiller Offizier ist, ist Jagger ein stets fröhlicher Draufgänger. Jagger, der nicht mehr lange in der Armee Dienst tun muss, hofft, dass auch Yossi seinen Dienst quittieren und mit ihm ein neues Leben anfangen wird. Yossi dagegen fühlt sich zerrissen: Er liebt den Militärdienst, aber auch Jagger. Ein nächtlicher Einsatz wird schließlich die gemeinsamen Zukunftspläne zerstören.

Früchte der Liebe

buchcover
Früchte der Liebe (Food of Love). USA 2002, 112 Min., Regie: Ventura Pons

Ventura Pons hat David Leavitts Roman The Page Turner (dt.: Nachtmusik mit einem Fremden) zu einem großen Kinofilm gemacht. Der 18-jährige Musikstudent Paul soll dem berühmten Pianisten Richard Kennington bei einem Konzert umblättern. Paul ist begeistert und empfindet bald mehr für Richard als bloße künstlerische Bewunderung. Richard wiederum lässt auch nichts anbrennen, und so haben die beiden eine heftige, wenngleich kurze Affäre miteinander. Nach Richards Abreise muss Paul mit seinen Gefühlen klarkommen, was ihm auch recht gut gelingt – bis sich seine entsetzlich betuliche Mutter einmischt, die nicht akzeptieren will, dass ihr Sohn schwul ist, und überhaupt alles missverstanden hat. Etwas enttäuschend, dass sich Mutter und Sohn am Ende weinend in den Armen liegen, eine schallende Ohrfeige hätte der Mutter besser getan.

LN-Bibliothek

Rezensionen zu einer Reihe von aktuellen Büchern... weiter

LN-Discothek

Die Rubrik beschäftigt sich diesmal mit neuen französischen CDs... weiter