LAMBDA-Nachrichten Nr. 101

Autonome Trutschn

Offener Brief an Dr. Heinz Fischer

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, lieber Heinz!

Wir schreiben dir diesen Offenen Brief, weil wir, die Autonomen Trutschn, erstens immer auf Transparenz Wert gelegt haben, zweitens dieses Dokument als eines bewerten, das dereinst als historisch gelten wird, und drittens gerade kein Kuvert bei der Hand haben – und außerdem ist das Ablecken von Klebefalzen fürchterlich ungesund. Seit Präsidentin Sabine von ihrer Lebensmittelunverträglichkeit geheilt ist, hat sie – weil irgendetwas braucht der Mensch ja – eine Leckphobie, aber das ist ein Internum, das wir einmal bei einem Kaffetschi beplauschen können, aber nicht in diesem Offenen Brief.

Denn der ist, wie du dir vorstellen kannst, staatstragend. Er ist ein Handschlag. Ein Handschlag zwischen dem Präsidenten und den Präsidentinnen. Wirkliche GegnerInnen waren wir nie, weil wir ja unsere Kandidatur zurückgezogen haben, einerseits, weil wir dem garstigen Druck unserer WidersacherInnen gewichen sind, aber andererseits auch, weil wir dir auf dem Spaziergang in die Hofburg nicht im Weg stehen wollten. Zudem warten so viele wichtige Aufgaben in nächster Zeit, in der nicht so kompetente und charmante KandidatInnen zur Verfügung stehen wie du, auf Österreich, die EU und die Welt, dass wir uns nicht einbetonieren wollten.

Du verstehst: Hofburg schön, aber nicht gerade der Nabel des internationalen Geschehens. Nein, zurzeit ist es noch nötig, vertraulich und geheim zu arbeiten. Zwar hörten wir die Enttäuschung der Menschen auf der Regenbogen-Parade, deren Hände wir nahmen und die mit tränenerstickter Stimme ungebrochen unseren Slogan wiederholten: „Wer, wenn nicht ihr“. Aber als uns die Masse auf den Schultern in die Hofburg tragen wollte, da sagten wir: „Halt, Bürger und Bürgerinnen! Wir verstehen euer Begehr – aber der Heinz ist auch ein Guter.“ Und die Menge applaudierte, ein Regen an roten Rosenblättern fiel herab, und beinahe hätten sich die Wolken geteilt, aber das erschien uns dann doch zu übertrieben.

Dennoch: Du hast uns viel zu verdanken. Jetzt kann man es ja auch gerne publik machen: Mit den linken Emanzen, welche die Frau Außenministerin im Ausrasten nach der Wahl für ihre Schlappe verantwortlich gemacht hat, hat sie natürlich uns gemeint. Sogar sie hat erkannt: Ohne unser Zutun, lieber Präsident, hätte alles anders ausgesehen.

Wenn wir all das schon getan haben eingedenk der Sache, der Republik und deiner Person, so wollen wir doch unseren Lohn. Nein, nicht für uns! Für das Volk. Wie du weißt, hören wir, was es spricht, und gerade die Parade gab uns wieder die Möglichkeit, ganz fest hinzuspüren zum Volk. Und weißt du, was da war? – Der Wunsch nach Freiheit; der Wunsch nach Frieden; der Wunsch danach, dass Toleranz in Österreich einkehre; kurz, die Umsetzung unseres Programms. Dass du dich für die Rechte der Schwulen und Lesben einsetzen wirst, hast du eh schon auf dem Regenbogen-Ball gelobt, aber vergiss bitte die anderen, oben genannten Kinkerlitzchen nicht. Wir wollen nicht verhehlen, dass es auch den Wunsch danach gab, uns, den Autonomen Trutschn, ein Büro in der Hofburg zur Verfügung zu stellen – und einen Dienstwagen samt zwei Chauffeuren, einen italienischen für Präsidentin Sabine und einen schwedischen für mich, nur zwecks der Internationalität und wegen des schwelenden Nord-Süd-Konflikts. Und einige kleine Wünsche, also Wünscherl sozusagen, wären da noch:

Wenn du einmal mit dem Herrn Bundeskanzler plauschst, könntest du das nicht aufnehmen, einfach damit wir auch einmal etwas von ihm hören? Wäre es weiters nicht möglich, in der Politischen Akademie einen Kurs mit dem Titel „Opposition – wie geht das?“ für SPÖ-PolitikerInnen einzurichten? Zudem würden wir, wären wir du, nur noch FPÖ-Regierungsmitglieder angeloben, die im Wasserrecht bewandert sind – einfach damit es eine nachvollziehbare Qualifikation dafür gibt, wie man in ein Ministeramt gelangt. Und zu guter Letzt: Könntest du nicht unserer Liesl Gehrer ganz präsidentenmäßig einen Friseur empfehlen? Vielleicht hört sie ja auf dich!

Ansonsten gratulieren wir ganz herzlich. Und wenn einmal Not am Trutsch ist, wir sind allzeit bereit.

Deine Autonomen Trutschn

Portraitfoto
Die Präsidentinnen